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Musik an der Martin-Luther-Kirche - Dresdner Bachchor - Georg Friedrich Händel: Der Messias

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Rudolf Renner

Georg Friedrich Händel: Der Messias

Theologische Betrachtungen

Der Begriff “Messias” stammt aus dem Hebräischen, einem Zweig der semitischen Sprachengruppe. Er steht dort für den Titel “Gesalbter” – Salbung legitimierte eine Person zum Königtum bzw. zum Hohepriesteramt im Judentum. Dahinter steht Gottes Zusage eines ewigen Königtums an die Nachkommen König Davids (ca. 1.000 vor Christus). Als das Volk Israel im 6. Jahrhundert vor Christus unter Fremdherrschaft geraten war und viele Menschen für zwei Generationen in der Gefangenschaft in Babylon lebten, schöpften sie aus dieser Zusage Hoffnung auf einen Thronfolger aus dem Stammbaum Davids. Bis in die Zeit des entstehenden Christentums wurde diese Verheißung weitergegeben und auch noch in den ersten christlichen Gemeinden fortgeführt. Dann wird diese Hoffnung auf eine Person, die innerweltliche Erlösung vom Bösen verspricht, aber bald an den Rand gedrängt, auch wenn in der christlichen Geschichte immer wieder Personen auftreten, die für sich in Anspruch nehmen, der verheißene Messias zu sein.

Daraus entwickelten sich messianische Strömungen, die auf eine diesseitige charismatische Person hofften, die eine neue innerweltliche Ordnung begründen sollte. Diese Hoffnung setzte die Anhängerinnen und Anhänger in Bewegung mit Stoßrichtung auf die Zentren der herrschenden Machthaber. Dabei war es für die Menschen immer wichtig, in persönlicher Nähe zu ihrem geglaubten und verehrten Messias zu leben und zu bleiben.

In den ersten christlichen Gemeinden veränderte sich die Hauptbedeutung des Begriffes “Messias”. Nicht mehr eine rein innerweltliche Person wurde damit bezeichnet, sondern Jesus Christus, der als der Mensch gewordene Sohn Gottes geglaubt und verkündet wurde. So ist die Hoffnung auf eine innerweltliche Person, die die Herrschaftsverhältnisse auf Erden radikal verändert (christliche Gemeinden zu dieser Zeit waren existentiell durch die römische Besatzungsmacht bedroht) weitgehend abgelöst durch die Hoffnung auf eine Person, die die Botschaft Gottes auf der Erde verbreitet und den Menschen Hoffnung auf wahres Leben gibt, im Leben und nach dem Tod. Die Hoffnung auf ewiges Leben und ein neues, unfassbar anderes reiches Leben jenseits des Todes ist zentral für die christliche Hoffnung auf den Messias, seine Botschaft und sein Leben auf der Erde.

Im Namen Jesu findet sich das Wort “Messias” im Titel “Christus” (griechisch für “Gesalbter”) wieder. Jesus selbst weist diesen Titel für sich zunächst wohl zurück, weil er sich nicht als Träger einer nationalen Erlösungshoffnung für das jüdische Volk sah. Doch schon an seinem Kreuz ist eine Tafel befestigt, auf der er als König des jüdischen Volkes bezeichnet wird – ein ähnlicher Titel wie der des “Gesalbten”.

Der Apostel Paulus (ab ca. 50 nach Christus) verwendet den Titel “Christus”, um die Person Jesu hervorzuheben und auszuzeichnen: Jesus ist der erhoffte Heilsbringer, aber nun nicht mehr für ein neues irdisches Reich, in dem christliche (und jüdische) Menschen frei von Verfolgung, Hunger und Gewalt sind. Sondern für eine neue Welt jenseits alles Irdischen, in der die Menschen ebenfalls frei von Verfolgung, Gewalt und Tod sind, in der Gott ihnen ihre Schuld und ihre Verfehlungen vergibt und in der sie umfassend Gerechtigkeit erfahren. Jesus hat ihnen diese Welt eröffnet, indem er am Kreuz gestorben und vom Tod erstanden ist. Dieses Tun zeichnet ihn als Messias, als “Gesalbten” Gottes aus.

Seit frühchristlicher Zeit war die Hoffnung auf das ewige Leben maßgeblich für den christlichen Glauben und ist es natürlich heute auch noch. Deshalb ist der “Christus” auch heute Grundlage des christlichen Glaubens. Aber in den letzten Jahrzehnten ist auch die Tatsache wieder deutlich betont (die auch durch die Jahrhunderte hindurch durchaus bewusst war), dass der Glaube an diesen Christus nicht nur etwas über ein Leben nach dem Tod sagt, sondern sich auch in diesem Leben, auf der Erde auswirkt: durch das Eintreten für ein Leben ohne Verfolgung, Hunger und Gewalt. Deshalb ist die Botschaft des Gesalbten auch ein Aufruf dazu, in der Welt für diese menschlichen Grundrechte einzutreten.

Georg Friedrich Händel betont im Messias ausschließlich die geistlich-religiöse Bedeutung des “Messias”. Dafür lassen er und der Verfasser des Textbuches, Charles Jennens, ausschließlich die Bibel zu Wort kommen. Passagen aus der Hebräischen Bibel (dem sogenannten “Alten Testament”) und dem Neuen Testament wechseln sich ab und haben ausschließlich das Ziel, den Messias, den “Gesalbten” zu verkünden. Dabei bedient sich der Text einer schon lange im Christentum geübten Praxis, die hebräischen Bibelstellen auf Jesus Christus hin zu deuten – dass er also dort schon verheißen wird –, und im Neuen Testament, in der Gestalt Jesu, die Erfüllung dieser Verheißung zu sehen. Besonders deutlich ist das, wenn Texte des Propheten Jesaja erklingen. Im Teil II des Oratoriums sind Abschnitte zu hören, in denen Jesaja den sogenannten “Gottesknecht” beschreibt (Jes 50 und 52-53) – eine Gestalt, die sich nicht genau fassen lässt. Aber es gibt im Christentum eine lange Tradition, in dieser Gestalt den Christus schon verheißen zu sehen, obwohl die Texte über 500 Jahre vor Jesu Geburt entstanden. In dieser Gestalt manifestieren sich Gedanken über Schuld und Vergebung, über Übernahme fremder Schuld und Erlösung von Schuld – das sind auch zentrale christliche Überzeugungen, dass der Mensch Jesus zugleich der Christus, der Messias Gottes war und ist.