Kategorie-Archiv: Bücher Und Filme

Bücher und Filme

Addio al Partigiano Ugo Berga

Am Sonntag, 23. September 2018, ist Ugo Berga gestorben. Und am Dienstag, 25. September 2018, wurde er auf dem Friedhof von Turin beigesetzt.

Im Juni 2011 nahm er sich in Bussoleno einen ganzen Nachmittag lang Zeit, um uns als Zeitzeuge von den Kämpfen gegen die deutsche Besatzung im Susatal zu berichten und unsere vielen Fragen zu beantworten. Dafür nochmals: Vielen Dank!

Ugo Berga, am 24. Januar 1922 geboren, war bereits durch Familie (u.a. zählten seine Tante Rita Montagnana und sein Onkel Mario Montagnana zu den Mitbegründern des PCI) und Umfeld geprägter Antifaschist, bevor die deutsche Wehrmacht im September 1943 sein Land überfiel. Die perfiden italienischen Rassengesetze hatten ihn zum Verlassen der Schule gezwungen, und die Bombardierungen Turins führten ihn in das untere Susatal. Dort gehörte er neben Carlo Carli, Egidio Liberti, Walter Fontan, Felice Cima und Marcello Albertazzi zu jenen Männern, die erste Widerstandsgruppen bildeten und Sabotageakte auf die für die Deutschen strategisch extrem wichtige Eisenbahnverbindung Turin – Modane und auf Brücken und Telegrafenleitungen verübten.

Er war jener “Ugo“, von dem Ada Gobetti nach ihrem ersten Treffen am 27. Oktober 1943 schrieb, dass sie ihn sofort an seinen roten Haaren erkannt habe (aus ihrem Diario partigiano: “A Mattie ho incontrato Ugo, che ho subito riconosciuto per i suoi capelli rossi“).

In der Nähe seines Vaterhauses war es auch, wo sich die Männer, die sich nun nicht mehr ‚Rebellen‘ oder ‚Patrioten‘, sondern ab jetzt ‚Partisanen‘ nannten, auf einer Lichtung bei Martinetti oberhalb von San Giorio di Susa trafen und den Eid von Garda leisteten: Sie schworen auf die mitgeführte italienische Trikolore, so lange gegen den Nazi-Faschismus zu kämpfen, bis das Land befreit wäre.

Was Ugo Berga auch tat: Als Politkommissar der 106a° Brigata Garibaldi ‚Giordano Velino‘ erlebte er die Befreiung Turins im April 1945.

Er blieb lebenslang politisch aktiv. Die Erfahrungen der Resistenza waren für ihn nicht lediglich ein Stück abgeschlossene Geschichte, sondern haben sein Leben bestimmt und dazu beigetragen, sich auch in hohem Alter immer wieder aktiv in das politische Tagesgeschehen einzumischen. So erstaunt es nicht, dass Ugo Berga auch den jahrzehntelangen Kampf der Bevölkerung gegen das – unter Umweltschutzgesichtspunkten unverantwortliche und wirtschaftlich vollkommen sinnentleerte – Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsprojekt zwischen zwischen Turin und Lyon unterstützte.

Fa buon viaggio Ugo. Ora e sempre Resistenza!

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Eine der größten Verkleidungsaktionen der italienischen Geschichte

Am 8. September 1943 um 19 Uhr 45 unterbrach der staatliche Rundfunk sein Programm, und Marschall Pietro Badoglio, seit der Absetzung Mussolinis am 25. Juli 1943 neuer Regierungschef, verlas folgende Erklärung:

Marshall Pietro Badoglio, seit der Absetzung Mussolinis am 25. Juli 1943 neuer Regierungschef, vorher verantwortlich für Giftgasbombardierungen Äthiopiens

„Die italienische Regierung hat angesichts der Unmöglichkeit, den ungleichen Kampf gegen die überwältigende gegnerische Macht fortzuführen und in der Absicht, weiters schweres Unheil von der Nation abzuwenden, General Eisenhower, den Oberkommandierenden der alliierten angloamerikanischen Streitkräfte, um einen Waffenstillstand gebeten. Diesem Gesuch wurde stattgegeben. Demgemäß müssen alle Kampfhandlungen gegen die angloamerikanischen Truppen von Seiten der italienischen Streitkräfte eingestellt werden. Diese werden jedoch auf eventuelle Angriffe aus jedweder anderen Richtung reagieren.“

Die vollkommen überraschten Italiener jubelten und ließen die Kirchenglocken läuten: Der Krieg war vorbei!
Nur zwei Tage später aber schrieb der junge Literaturwissenschaftler Emanuele Artom in sein Tagebuch: „Ein schrecklicher Tag…. Die eine Hälfte Italiens ist deutsch, die andere englisch, und Italien gibt es nicht mehr.“

Deutschland ist Euer wirklicher Freund – Propagandaplakat

Der Krieg hatte für das unzureichend vorbereitete und schlecht ausgerüstete Italien an der Seite Deutschlands seit seinem Beginn am 10. Juni 1940 an allen Fronten, in Frankreich, in Nordafrika, auf dem Balkan und in der Sowjetunion, einen katastrophalen Verlauf genommen. Mit über 300.000 Mann hatte sich Mussolini verlustreich am ‚Kampf gegen den Bolschewismus‘ beteiligt. Der Tod von Familienangehörigen, alliierte Bombenangriffe, Evakuierungen und Lebensmittelrationierungen hatten die Italiener kriegsmüde gemacht und bereits im März 1943 zu Streikaktionen in den Großstädten Norditaliens geführt – den ersten Massenprotesten nach über 20 Jahren faschistischer Herrschaft. Mitte Juli 1943 hatte schließlich auch die Mehrheit des Faschistischen Großrats eingesehen, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war: Im Mai war der letzte deutsch-italienische Brückenkopf in Tunesien aufgegeben worden, und am 10. Juli landeten die Alliierten auf Sizilien. Ihr zügiger Vormarsch schien unaufhaltbar. Die Absetzung Mussolinis wurde vom Faschistischen Großrat mit 19 gegen 9 Stimmen und bei einer Enthaltung angenommen. Man ging mehrheitlich davon aus, ohne ihn an der Spitze des Staates bessere Friedensbedingungen aushandeln zu können. Unmittelbar danach hatte der in den Plan eingeweihte König Vittorio Emanuele III. Mussolini verhaften lassen, selbst den Oberbefehl über die Streitkräfte übernommen und Marschall Badoglio – der für die von Giftgasbombardierungen begleitete Unterwerfung Äthiopiens zum Herzog von Addis Abeba ernannt worden war – als neuen Regierungschef eingesetzt.

Rastrellamento im Zuge der der ‚Bandenbekämpfung‘, hier in Bourcet, Chisonetal

Badoglio ließ Hitler sofort offiziell in Kentniss setzen, dass Mussolini ‚abgedankt‘ habe, Italien den Krieg an Deutschlands Seite aber selbstverständlich fortsetzen wolle.
Dass der ‚Duce‘ abgedankt haben könnte, glaubte Hitler nicht einen Moment lang. Führ ihn war klar, dass er einem Putsch des faschistischen Großrats zum Opfer gefallen sein musste.
Die gebetsmühlenartig vorgetragene NS-Propaganda des ‚gemeinen und verräterischen‘ Verhaltens der Italiener hatte fatale Auswirkungen auf das Verhalten der deutschen Soldaten gegenüber den Italienern. Was mit der Entwaffnung der italienischen Armeen nach dem 8. September 1943 begann und sich während der zwanzigmonatigen Besatzung Norditaliens in menschenverachtender Weise gegenüber den vermeintlichen ‚Bandenhelfern‘ der Resistenza und der Zivilbevölkerung fortsetzte.

Wie tief die NS-Propaganda des italienischen ‚Verrats‘ noch heute (!) in den Köpfen vieler Deutscher verankert ist, zeigen die über Italiener kursierenden Witze:
Wieviele Gänge hat ein italienischer Panzer? Einen Vorwärts- und vier Rückwärtsgänge!
Wie sieht die italienische Kriegsflagge aus? Weißes Kreuz auf weißem Grund!
Warum haben die italienischen Panzer Rückspiegel? Um die Front besser im Auge behalten zu können.

Während Hitler verstärkt Truppen über den Brenner verlegen ließ und die Besetzung Italiens vorbereitete, trat die Regierung Badoglio mit den Alliierten in geheime Friedensverhandlungen ein, die sich bis zum 3. September 1943 hinzogen. In Cassibile war der vorerst noch geheimgehaltene Waffenstillstandsvertrag unterzeichnet worden.

Von der am 8. September 1943 um 19 Uhr 45 übermittelten Radiobotschaft Badoglios über den erfolgten Waffenstillstand wurden aber nicht nur die Zivilbevölkerung überrascht, sondern auch die Armee. Bevor sich der italienische König, ihr neuer Oberbefehlshaber, mit seiner Familie und der Regierung Badolglio in den von den Alliierten kontrollierten Süden des Landes in Sicherheit gebracht hatte, wurden keine klaren Befehle ausgegeben, wie die auf sich alleingestellten Truppenverbände in Norditalien sich zu verhalten hätten. Kurz vorher waren die deutschen Truppen noch ihre Verbündeten gewesen, nun kursierten die durchaus zutreffenden Gerüchte, dass die Deutschen alle italienischen Soldaten gefangen nehmen und sie in die KZs nach Deutschland schicken würden.

Die 4. Armee etwa, die sich gerade auf dem Rückzug aus Südfrankreich in das Piemont befand, löste sich durch diese Schreckensmeldungen schnell auf. Offiziere, Unteroffiziere, einfache Soldaten: Alle flüchteten.

Um den Deutschen nicht in die Hände zu fallen, benötigten die Soldaten zivile Kleidung, die sie nicht besaßen. Was nun begann, war in den Worten der italienischen Historikerin Anna Bravo eine der „größten Verkleidungsaktionen der italienischen Geschichte“.

Einige Berichte von Zeitzeugen:

Als wir erfahren haben, dass alle Soldaten aus den Kasernen abgehauen waren und sie verzweifelt nach einer Möglichkeit suchten, wieder nachhause zu kommen, weil niemand mehr Lust hatte zu kämpfen, sie aber als Militär gekleidet nicht mit dem Zug fahren konnten, da hatte meine Mutter in der Zwischenzeit schon alle möglichen Leute um alte Kleider gebeten und hat eine ganze Menge zusammenbekommen, die alle in unserem Keller lagen. Und so kamen immer diese Jungs. Signora, haben Sie nicht was zum Anziehen für mich? Und meine Mutter kleidete sie an, brachte sie zum Bahnhof und küsste sie. Auch ihre Uniformen haben sie bei uns gelassen, meine Mutter hat sie dann nachts im Hof verbrannt. Ja, das war eine richtige Verteilstelle geworden, mittlerweile wussten es alle.

Wir haben an Zivilkleidung hergegeben, was wir hatten. Alle halfen diesen jungen Männern. Wir hofften, dass irgendjemand meinem Bruder helfen würde, der in diesen Tagen in Marghera stationiert war. Und tatsächlich ist es ihm nach einer abenteuerlichen Reise zu Fuß geglückt, nachhause zu kommen.

In Cumiana sah man Dutzende dieser Soldaten von Haus zu Haus gehen, um Zivilbekleidung zu erbitten. Ich werde nie vergessen, dass mein Vater sogar die abgenutztesten Hosen, die im Haus waren, hergegeben hat.

Der Priester Don Pozza von der Kirche Santa Maria della Motta in Cumiana:
Die Deutschen waren schon im Ort, und dennoch kamen die Versprengten weiterhin in die Pfarrei. Einige Leute warnten mich, dass dies gefährlich werden könne. Aber da ich keine politischen Absichten, sondern nur karitative verfolgte, fuhr ich damit fort, bis alle meine Möglichkeiten erschöpft waren.

1,36 Millionen Soldaten des italienischen Heeres hatten sich am Tag der Waffenstillstandserklärung im deutschen Machtbereich befunden. Anfang Oktober 1943 waren 580.000 von ihnen in den deutschen Zwangsarbeitslagern oder auf dem Weg dorthin. Der Status von Kriegsgefangenen wurde ihnen nicht zugestanden. Sie galten als Militärinternierte, von denen über 45.000 in den Lagern starben: An Unterernährung, den Misshandlungen oder durch Erschießung. Die Zahl derjenigen, die entlassen wurden oder sich durch Flucht der Gefangennahme entziehen konnten, wird auf 765.000 geschätzt.

Die im Untergrund existierenden Widerstandsgruppen hatten sich schon vor der deutschen Besetzung Norditaliens, die am 8. September 1943 erfolgte, neu formiert. So konnte bereits am darauffolgenden Tag in Rom das parteiübergreifende ‚Comitato di Liberazione Nazionale‘ zur Koordinierung des Kampfes gegen die Besatzer gegründet werden. Aus kleinen Gruppen wuchs die italienische Resistenza bis April 1945 mit ihren ca. 250.000 Mitgliedern zur zahlenstärksten Widerstandsbewegung Westeuropas an.
Die Soldaten der sich auflösenden italienischen Armee liefen in großer Zahl zu den Partisanen über und entgingen so der Gefangennahme durch die Deutschen und der Deportation in die Arbeitslager.

Die Einberufungsaktionen in Mussolinis Armee – auf Befehl Hitlers hatten ihn deutsche Fallschirmjäger am 12. September aus seiner Haft auf dem Gran Sasso in den Abruzzen befreit und kurz darauf an die Spitze der faschistischen Marionettenregierung ‚Repubblica Sociale Italiana‘, RSI, gestellt – erwiesen sich als regelrechte Werbemaßnahmen für die Partisanen.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Diesen Artikel haben wir unserem Buch „Partisanenpfade im Piemont“ entnommen.

 

Neue aktualisierte Auflage unseres Wanderlesebuchs ‚Partisanenpfade im Piemont‘

Fast ein Vierteljahr ist mittlerweile verstrichen seit Veröffentlichung der Neuauflage unseres Wanderlesebuchs Partisanenpfade im Piemont im Februar 2018. Hier im Blog darüber zu berichten, hatten wir schlicht vergessen. Das holen wir hiermit nach.

von der Nivolet-Passstraße Blick auf die Seen Agnel und Serrù - Foto: © Wolfram Mikueit

Dass wir für die Neuauflage manche Wege nochmals abgegangen sind und sowohl Preise als auch Kontaktinformationen aktualisiert haben, versteht sich von selbst.

Ansonsten hat sich nichts verändert, sodass noch immer gilt:

Partisanenpfade im Piemont ist ein Wanderbuch, ein Reisebuch und auch ein Geschichtenbuch.

Pietramorta (1.812 m), Valle di Viù, längst verlassene Sommersiedlung am Logo di Malciaussia - Foto: © Wolfram Mikuteit

23 Touren vom Stadtspaziergang bis hinauf auf über 3.000 Meter Höhe
‚Partisanenpfade im Piemont‘ ist ein Wanderführer, der 23 Touren – vom Stadtspaziergang durch Turin bis zur Hochtour auf den über 3.000 Meter hohen Colle Autaret – umfasst. Alle GPS-kartiert, alle anhand von Waypoints exakt nachvollziehbar und jede Tour mit herunterladbarem Track für das eigene GPS-Gerät. Mit Hinweisen zum ÖPNV, Kartenmaterial und Einkehrtipps.

Blick über das Susatal, im Hintergrund der Monviso - Foto: © Wolfram Mikuteit

Unsere Touren zwischen Gran Paradiso im Norden und Monviso im Süden folgen ausgewiesenen Wanderwegen durch National- oder Naturparkgebiete, führen über königliche Jagdsteige, alte Saumwege und stille Gebirgspfade. Und oberste Priorität hatte bei der Auswahl der Wege neben der historischen Bedeutung stets die Attraktivität des Weges und die der Landschaft.

Ein Reisebuch, das an Orte führt, in denen gut gegessen und genächtigt werden kann
‚Partisanenpfade im Piemont‘ ist ein Reisebuch, das einführt in die Welt der Alpentäler, die sich fächerartig westlich der Barockstadt Turin bis zum Alpenhauptkamm ziehen. An Plätze führt, in denen die Geschichte der Resistenza wachgehalten wird, und an Orte, in denen gut gegessen und genächtigt werden kann.

Sangonetal, kurz vor der Alpe Sellery inferiore - Foto: © Wolfram Mikuteit

Ein Geschichtenbuch über Orte und Wege des Widerstands
Die 20 Monate der italienischen Resistenza, in denen sich Menschen unterschiedlichster politischer Couleur ab September 1943 zusammenschlossen, um gegen deutsche Besatzung und italienischen Faschismus und für einen radikalen Wandel in ihrem Land zu kämpfen, haben Italien nachhaltig geprägt. Ganz besonders die stark entvölkerte Gebirgsregion des Piemonts nah an der Grenze zu Frankreich. Wir nehmen die Leserinnen und Leser mit auf eine historische Zeitreise und machen die Geschichte der piemontesischen Widerstandsbewegung erlebbar – zu Fuß, automobilisiert oder zu Hause auf dem Sofa.

vom Assiettakamm Aussicht nach Westen auf die Grande Ruine (3.765 m) - Foto: © Wolfram Mikuteit

Wir haben aber kein Geschichtsbuch geschrieben, sondern anhand ganz unterschiedlicher Artikel versucht, diese Geschichte erlebbar zu machen. Wir erzählen von Mussolinis Aufstieg – weil die Widerstandsbewegung nur verständlich wird vor dem Hintergrund, dass beim Kriegseintritt Italiens an der Seite Hitler-Deutschlands 1940 ein damals 18-jähriger italienischer Wehrpflichtiger nicht einen einzigen Tag in einem demokratischen Staat gelebt hatte. Wir erzählen auch von dem 1933 in Turin gegründeten Verlag ‚Giulio Einaudi Editore’, mit dem Leone Ginzburg, Cesare Pavese, Giulio Einaudi, Carlo Levi, Vittorio Foa und viele andere versuchten, die faschistische Zensur zu unterlaufen und Bücher zu verlegen, die zu kritischem Denken anregen sollten – und dafür auch langjährige Haftstrafen und Verbannung in Kauf nahmen.

Blick hinunter auf die Conca del Pra - beim Abstieg vom Colle Selliere - Foto: © Wolfram Mikuteit

Wir erzählen auch von dem Phänomen, das die italienische Historikerin Anna Bravo als eine der “größten Verkleidungsaktionen der italienischen Geschichte” bezeichnet hat: Dass sich circa die Hälfte der Soldaten des italienischen Heeres, die sich am Tag der Waffenstillstandserklärung im deutschen Machtbereich befunden hat, durch Flucht der Gefangennahme und dem Transport in die deutschen Zwangsarbeitslager entziehen konnte.

Forte Chaberton, höchstgelegen Festungsanlage der Alpen (3.136 m) - Foto: © Wolfram Mikuteit

Und weil ‚Partisanenpfade im Piemont’ ein Wanderlesebuch ist, haben wir in Ergänzung zu den Tourbeschreibungen auch ganz viele kurze Hintergrundgeschichten geschrieben. In diesen ‚Themensplittern’ kann – wer mag – nachlesen, warum jedes kleine Dorf in Italien seine ‚Via Roma’ hat, was genau unter der italienischen ‚Judenkartei’ zu verstehen ist, wie Piero Gobettis Witwe Ada ihre Winterüberschreitung des Passo dell’Orso in ihrem Tagebuch beschrieb. Hier findet sich auch das Gedicht ‚Kamerad Kesselring’, geschrieben in Erinnerung an den Kriegsverbrecher, der kaltschnäuzig genug für die Bemerkung war, die Italiener täten gut daran, ihm für sein Verhalten in der Zeit, in der er den Oberbefehl auf dem italienischen Kriegsschauplatz innehatte, ein Denkmal zu errichten.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

P.S.

Die Rezensionen zur Erstauflage von ZEIT bis Zürcher Wochenzeitung sind hier nachzulesen.
Das Inhaltsverzeichnis kann hier angesehen oder heruntergeladen werden.

 

 

Der böse Deutsche und der gute Italiener – Zu Filippo Focardis Buch „Falsche Freunde?“

Italien kann für sich den zweifelhaften Ruhm in Anspruch nehmen, den Faschismus gewissermaßen erfunden zu haben. Das Land stand nach dem erbarmungslosen, auch mit Chemiewaffen geführten Angriffskrieg gegen Äthiopien ab Mitte der 1930er-Jahre stramm an der Seite des nationalsozialistischen Deutschlands. Von Großmachtambitionen geleitet, griffen Mussolinis Soldaten zusammen mit der Deutschen Wehrmacht zahlreiche Staaten an und haben sich in den besetzten Ländern zahlloser Verbrechen auch gegen die Zivilbevölkerung schuldig gemacht. Ein Bündnis, das Italien im September 1943 erst verließ, als mit einem Sieg nicht mehr zu rechnen war. Dennoch ist es in der Nachkriegszeit gelungen, in weiten Kreisen der italienischen Bevölkerung ein Geschichtsbild zu verankern, das die Italiener – mit Ausnahme von Mussolini und einer kleinen, ihn umgebenden faschistischen Clique – im Gegensatz zu den barbarischen Deutschen von jeder Schuld freispricht.

Filippo Focardi - Falsche Freunde
Filippo Focardi, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Padua, geht in seinem Buch „Falsche Freunde?“ – die im Jahr 2013 erschienene italienische Originalausgabe trägt den Titel „Il cattivo tedesco e il bravo italiano“ – den Ansätzen und Strategien nach, mit Hilfe derer die Entstehung dieser verzerrten kollektiven Erinnerung befördert wurde. Seine Untersuchung konzentriert sich auf die Jahre zwischen 1943 und 1947, also die Zeitspanne zwischen der Ausrufung des Waffenstillstands und den ersten Nachkriegsjahren, in denen der Friedensvertrag zwischen Italien und den Siegermächten vorbereitet und ausgehandelt wurde. Der Grundstein des nützlichen Stereotyps vom „bösen Deutschen“ wurde in diesem Zeitraum gelegt, um – so Focardis zentrale These – das Schicksal des besiegten, aber vorher mitkriegführenden Italiens von dem des nationalsozialistischen Deutschlands, das bis zuletzt zum Führer gestanden hatte und die strengsten Sanktionen durch die Siegermächte verdiente, zu trennen. Das Bild des Italieners, der allenfalls ein Hühnerdieb, aber kein Kriegsverbrecher sei, sollte dazu dienen, Italien einen harten Friedensvertrag zu ersparen.

Die Basis für diesen Versuch, die Geschichte im Sinne Italiens umzudeuten, hatten bereits die Alliierten gelegt: Seit 1940 zielte deren Propaganda mit der klaren Unterscheidung zwischen italienischem Volk und faschistischer Regierung darauf ab, die Achse Berlin-Rom zu spalten und einen Separatfrieden zu vereinbaren. Die Inhalte der Sendungen von Radio London und der von den angloamerikanischen Flugzeugen abgeworfenen Flugblätter, die den Krieg als einen von den Italienern ungeliebten, von Mussolini und den Deutschen aufgezwungenen darstellten, konnten nach dem Waffenstillstand als Leitmotiv weiterverwendet werden. Die Hervorhebung der Verdienste der an sich friedliebenden italienischen Soldaten, die sich der Judenverfolgung entgegengestellt, die eigene und auch die Bevölkerung besetzter Staaten geschützt und selbst zu Opfern der Regime von Hitler und Mussolini wurden, weist Focardi penibel anhand vieler Zitate aus veröffentlichten Stellungnahmen nach. Wobei es lediglich leichte graduelle Unterschiede zwischen den Aussagen von Vertretern des alten monarchistischen Establishment und jenen der Protagonisten der antifaschistischen Linken gab.

Auf diese Weise entstand in Italien ein Geschichtsbild, so Focardi, bei dem „die Beteiligung des italienischen Volkes am Faschismus und die Verantwortung des Landes im faschistischen Krieg und seinen zahlreichen Verbrechen, die vor allem auf dem Balkan begangen wurden, verschwiegen, verharmlost oder geleugnet wurden.“

In diesem Buch, das im Kern auf seiner Doktorarbeit aus dem Jahr 1999 beruht, arbeitet Focardi akribisch heraus, wie das Begriffspaar des „guten Italieners“ und des „schlechten Deutschen“ entstand, wie es in Presse und Literatur ständig wiederholt und wofür es genutzt wurde: Die über alle Kanäle verbreitete Dämonisierung der Deutschen sollte dazu dienen, die lange Periode des italienischen Faschismus vergessen zu machen, einen harten, mit allzu großen Gebietsverlusten verbundenen Friedensvertrag tunlichst zu vermeiden und auch die Auslieferung italienischer Kriegsverbrecher zu blockieren. Es beleuchtet damit detail- und quellenreich die bei uns wenig bekannte erste Phase der italienischen Nachkriegsgeschichte.

Einige kritische Anmerkungen seien dennoch erlaubt. So befremdet im Schlusswort Focardis überschwengliches Lob für die in Deutschland früh vorgenommene Aufarbeitung der Geschichte, wenn er schreibt: „Deutschland hat spätestens seit den sechziger Jahren gezeigt, dass es mit Mut und Opferbereitschaft möglich ist, diesen Weg der ‚Aufarbeitung der Vergangenheit‘ zu gehen“ (S. 249). Zudem hätte das Buch ein sorgfältigeres Lektorat verdient. Wenn Sinti und Roma schon als „Zigeuner“ bezeichnet werden, sollten Anführungsstriche dabei nicht fehlen. Auch wäre eine Bibliographie hilfreich gewesen und hätte den Leser/innen erspart, bibliographische Angaben im ca. 100-seitigen – zwar übersetzten, aber nicht für die deutsche Fassung überarbeitetem – Fußnotenapparat aufzuspüren.

Filippo Focardi: Falsche Freunde? Italiens Geschichtspolitik und die Frage der Mitschuld am Zweiten Weltkrieg. Paderborn: Ferdinand Schöningh Verlag, 2015

Sabine Bade

(zuerst veröffentlicht in: Studienkreis deutscher Widerstand (Hg.), Frankfurt, Informationen Nr. 85/2017)

Massaker an italienischen Zwangsarbeitern bei Treuenbrietzen im April 1945

Das mit schier unvorstellbarer Grausamkeit in der Nähe von Treuenbrietzen am 23. April 1945 verübte Endphaseverbrechen deutscher Soldaten an italienischen Zwangsarbeitern beschrieb der Historiker Gerhard Schreiber bereits 1990 in seinem Buch „Die italienischen Militärinternierten im deutschen Machtbereichbereichs 1943 bis 1945. Verraten – Verachtet – Vergessen“.

Im Märkischen Sand

Im Märkischen Sand – Nella Sabbia del Brandeburgo. Von Katalin Ambrus, Nina Mair und Matthias Neumann.

Nun wurde zu diesem Verbrechen die Web-Dokumentation „Im Märkischen Sand – Nella Sabbia del Brandeburgo“ erstellt.
Das zweisprachige Filmprojekt ist als crossmediale, interaktive Dokumentation entstanden. In 24 Episoden beleuchtet die Webdoku Geschichte und Gegenwart des Massakers von Treuenbrietzen. In 18 thematischen und biografischen Gegenwartsepisoden wird das Ereignis aus heutiger Sicht dokumentiert. Die Hintergründe werden in 6 begleiteten Geschichtsepisoden ausgeleuchtet. Hier kommen animierte Tableaus zur Anwendung, die vom italienischen Zeichner Cosimo Miorelli gestaltet wurden. Die Musik wurde komponiert von Stefano Fornasaro und Andrea Blasetig.

Und am Samstag strahlt der RBB den Film „Das dunkle Geheimnis von Treuenbrietzen“ aus.

Das dunkle Geheimnis von Treuenbrietzen
Film von Katalin Ambrus und Nina Mair
RBB, Samstag 30.4.2016, 18:00 bis 18:30 Uhr
Wiederholungen: 2. Mai 2016, 03:10 Uhr und 4. Mai 2016, 04:00 Uhr

Ungefähr 600.000 italienische Soldaten wurden beim Kriegsaustritt der Italiener nach dem 8. September 1943 von den Deutschen gefangengenommen. Sie wurden vom Verbündeten (Achse Berlin-Rom) zum „Verräter“: Der Status von Kriegsgefangenen wurde ihnen nicht zuerkannt; sie wurden als Militärinternierte bezeichnet, unter Umgehung des Völkerrechts deportiert und zur Zwangsarbeit eingesetzt. Von diesen 600.000 Männern sind ungefähr 45.000 zu Tode gekommen – gestorben an den Folgen von grausamen Arbeitsbedingungen, von Hunger und Krankheit oder in Mordaktionen wie bei Treuenbrietzen getötet.

In der ungefähr 50 Kilometer südwestlich von Berlin gelegenen Stadt leisteten damals annähernd 3.000 Kriegsgefangene – sie stammten aus Italien, Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Polen und der Sowjetunion, wobei die „verräterischen Italiener“ zusammen mit den Russen ganz unten in der Häftlingshierarchie rangierten – Zwangsarbeit. Am 23. April 1945, kurz zuvor hatten sowjetische Truppen die Stadt eingenommen, wurden 131  italienische Insassen des Zwangsarbeiter-Internierungslagers „Sebaldushof“ bei Treuenbrietzen, die dort für die Rüstungsfirma Kopp & Ko arbeiten mussten, von einem Wehrmachtskommando zu einer Sandgrube am Rande eines Kiefernwäldchens getrieben. Die nachfolgende, zwei Stunden andauernde Massenerschießung überlebten nur vier Männer. Edo Mangialardi, Germano Cappelli, Antonio Ceseri und Vittorio Verdolini hatten sich rechtszeitig zu Boden werfen können und wurden von den zusammenbrechenden Körpern ihrer erschossenen Kameraden bedeckt.

Diese vier Männer, die das Massaker überlebten, brachten nach Kriegsende das Massaker zur Anzeige und lieferten wichtige Hinweise, halfen auch dabei, die Toten zu identifzieren. Von den erst sehr spät gegen die Täter ermittelnden Behörden wurden sie dennoch nicht befragt, konstatierte Gerhard Schreiber.
Ihre Berichte dienten den oben angeführten Dokumentationen als Grundlage.

Downolad der Pressemitteilung zu: Im Märkischen Sand – Nella Sabbia del Brandeburgo

 

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Enio Mancini: Das Massaker von Sant’Anna di Stazzema

Das Massaker von Sant'Anna di StazzemaIn Hamburg kann es zum wahrscheinlich letzten Kriegsverbrecherprozess Deutschlands kommen. Das gerade erschienene Buch mit den Erinnerungen von Enio Mancini, der das Massaker von Sant’Anna di Stazzema überlebte, liefert dazu die eindrückliche Geschichte und gewährt darüberhinaus Einblick in die notorische Verfolgungsverweigerung der deutschen Justiz gegenüber NS-Verbrechen.

Vor 70 Jahren ermordeten am 12. August 1944 Mitglieder der 16. SS-Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS“ im toskanischen Bergdorf Sant’Anna di Stazzema mindestens 560 wehrlose Zivilisten – vorwiegend Frauen, alte Menschen und über 100 Kinder.

 

 

Dass das Geschehen nicht in Vergessenheit geriet, ist vor allem Enio Mancini zu verdanken, der als kleiner Junge das Massaker überlebte. Dank seines beharrlichen Engagements, seiner Suche nach Erinnerungsstücken und Berichten von anderen Überlebenden, konnte 1991 im ehemaligen Schulgebäude von Sant’Anna das Museum des Historischen Widerstands eröffnet werden, dessen Leiter er bis 2006 war. Seine im Vorjahr in Italien erschienenen Erinnerungen liegen jetzt in deutscher Übersetzung vor. Er schildert darin das Leben in dem abgelegenen Bergdorf, die Ereignisse des 12. August 1944 und die Probleme der teilweise schwer traumatisierten Überlebenden beim Wiederaufbau der Gemeinde. Auch darüber, wie still es danach um die Ereignisse von Sant’Anna wurde: Eine juristische Verfolgung der Greueltaten unterblieb.

Der Mantel des Schweigens, der fünf Jahrzehnte lang in Italien über den vielen von deutscher Wehrmacht und SS verübten Verbrechen lag, wurde spät gelüftet: Die aus Rücksichtnahme gegenüber dem Nato-Partner 1960 bei der Militäranwaltschaft in Rom „vorläufig archivierten“ Ermittlungsakten einer noch während des Krieges eingesetzten amerikanischen Militärkommission wurden ab 1994 Grundlage diverser Ermittlungen. Im Fall des Massakers von Sant’Anna di Stazzema sprach das Militärgericht La Spezia 2005 zehn der angeklagten Mitglieder der 16. SS-Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS“ wegen “fortgesetzten Mordes mit besonderer Grausamkeit” schuldig und verurteilte sie in Abwesenheit jeweils zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Für die Verurteilten folgenlos: Eine Auslieferung war nicht zu befürchten.

Der Geist der furchtbaren Juristen
Seitdem ist auch im Land der Täter viel über das Massaker von Sant’Anna di Stazzema berichtet worden. Vor allem über die schleppend betriebenen Ermittlungen. Seit 1996 lag der Vorgang bei der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg. Von 2002 bis 2012 ermittelte die Staatsanwaltschaft Stuttgart und stellte schliesslich die Ermittlungen ein. Das Massaker an mindestens 560 Frauen, Kindern und alten Menschen könne auch als Kollateralschaden im Rahmen der Partisanenbekämpfung zu werten sein. Für die Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung fertigte Dr. Carlo Gentile, historischer Sachverständiger bei vielen NS-Strafverfahren und Mitglied der deutsch-italienischen Historikerkommission, ein Gutachten an, das diesen Ansatz widerlegt. Dennoch bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart im Jahr 2013 die Einstellung des Verfahrens.

Die Strafrechtlerin Gabriele Heinecke, die seit 2005 mit Enrico Pieri den Sprecher der Opfervereinigung von Sant’Anna vertritt, beschreibt in einem eigenem Kapitel minutiös, wie die juristische Aufarbeitung in Deutschland bewusst hintertrieben und verschleppt wurde, wie unstrittige Sachverhalte zugunsten der Beschuldigten uminterpretiert wurden. Vorgänge, die belegen, wie der Geist der die Nachkriegszeit dominierenden furchtbaren Juristen das deutsche Rechtssystem heute noch beherrscht.

Kurz nach Drucklegung des Buches hatte das letztmögliche Rechtsmittel, das Klageerzwingungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe gegen den Kompanieführer, den ehemaligen SS-Untersturmführer Gerhard Sommer, Erfolg: Der 3. Strafsenat sah „ausreichenden Tatverdacht“ und „keine vernünftigen Zweifel“ daran, dass die Handlungen von vornherein auf die Vernichtung der Zivilbevölkerung von Sant’Anna gerichtet waren. Das Gericht verwies das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Hamburg, wo Sommer lebt. Dort kann es nun zum wahrscheinlich letzten Kriegsverbrecherprozess Deutschlands kommen. Das Buch mit den Erinnerungen von Enio Mancini, den Ausführungen von Gabriele Heinecke und der historischen Rekonstruktion des Massakers von Carlo Gentile liefert dazu die Informationen.

Sabine Bade

Gabriele Heinecke, Christiane Kohl, Maren Westermann (Hg): Das Massaker von Sant’Anna di Stazzema – Mit den Erinnerungen von Enio Mancini. Mit Beiträgen von Christiane Kohl und Maren Westermann, der juristischen Einordnung von Gabriele Heinecke sowie einer Untersuchung des Historikers Carlo Gentile. Laika Verlag Hamburg, ISBN: 978-3-944233-27-7, Hardcover mit Schutzumschlag, 144 Seiten, 19,00 €.

 

Ada Gobetti – eine Frau im Widerstand

Es gibt kaum ein Buch über den antifaschistischen Widerstand im Piemont, dem Ada Gobettis Diario partigiano nicht als Quelle dient.

Ada Gobetti und Benedetto Croce - 1939. Mit freundlicher Genehmigung: © Centro Studi Piero Gobetti

Ada Gobetti und Benedetto Croce – 1939. Mit freundlicher Genehmigung: © Centro Studi Piero Gobetti

Der Philosoph Benedetto Croce regte sie nach dem Krieg dazu an, ihre in englischer Kurzschrift verfassten Tagebucheinträge über ihre Erlebnisse im Widerstand zu veröffentlichen. Nach Lesen des Manuskriptes urteilte er 1951: „Welch ein Glück, wenn jemand, der daran [der Resistenza] teilgenommen hat, solche Zeilen schreiben kann, wie Sie sie geschrieben haben! […] Sie können also mit dem vollbrachten Werk zufrieden sein“.

Für die Erstauflage des Diario partigiano, 1956 bei Einaudi erschienen, schrieb Italo Calvino das Vorwort. Es beginnt mit den Worten:
„Dieses Buch mit den Memoiren der Resistenza stellt eine Ausnahme dar, nicht so sehr wegen der Wichtigkeit der geschilderten Tatsachen, als wegen der Person, die das Buch geschrieben hat und der Art und Weise, wie der Partisanenkrieg gesehen und gelebt wird. […] Es ist das Buch einer Frau, deren Leben bereits vom Kampf gegen den Faschismus gezeichnet war. Ada Prospero, die Witwe von Piero Gobetti, dem jungen Märtyrer des frühen italienischen Antifaschismus, die zwischen den wichtigsten Verschwörern des zwanzigjährigen italienischen Faschismus gelebt hat, und die von ihrem Freiheitsdrang, dem Bedürfnis zu handeln und einer außergewöhnlichen Courage angetrieben wurde.“

„Ich habe keine politischen Ideen, ich habe nur moralische Gewissheiten“


Wer war diese Frau, die wie Ferruccio Parri und Duccio Galimberti 1942 zu den Gründungsmitgliedern des Partito d’Azione gehörte, die mit dem Philosophen Benedetto Croce eine lebenslange Freundschaft pflegte, die unter anderem für ihre legendäre Winterüberquerung des Passo dell’Orso am 30. Dezember 1944, die die Kontaktaufnahme mit den Alliierten in Frankreich ermöglichte, mit einer der höchsten Tapferkeitsmedaillen Italiens ausgezeichnet und nach dem Krieg zur Vizebürgermeisterin von Turin gewählt wurde? Und die von sich dennoch behauptete: „Io non ho idee politiche, ho solo certezze morali.“

Mit 16 Jahren lernte Ada Prospero 1918 im Turiner Liceo Gioberti den ein Jahr älteren Piero Gobetti kennen, dessen Schriften später die theoretische Grundlage für die Bewegung Giustizia e Libertà und des Partito d’Azione bildeten. Ada arbeitete, parallel zu ihrem Philosophie- und Literaturstudium, mit an seinen Zeitungen Energie Nove und La Rivoluzione Liberale. Das alles bestimmende Thema für die beiden war die Forderung nach einer radikalen Erneuerung in Politik und Kultur. Ihr Privatleben – sie heirateten 1923 – scheint immer vom Politischen bestimmt worden zu sein. La Rivoluzione Liberale war zu einer der exponiertesten oppositionellen Publikationen Italiens mit klar antifaschistischer, radikaldemokratischer Ausrichtung geworden, und die beiden standen nach der Machtergreifung Mussolinis mit anderen Widerstandsgruppen in ganz Italien in Verbindung.

Erstmals verhaftet wurde Piero Gobetti im Februar 1923. Einige Ausgaben der Zeitung wurden beschlagnahmt, andere zensiert. Weitere kurze Inhaftierungen folgten. Am 5. September 1925 wurde er von vier Angehörigen der faschistischen Sturmtruppen, den berüchtigten Squadristi, vor ihrem Haus in der Turiner Via Fabro 6 niedergeprügelt und erlitt schwere Verletzungen. Am 8. November 1925, unmittelbar nach dem Verbot aller oppositionellen Parteien und Druckerzeugnisse, musste La Rivoluzione Liberale ihr Erscheinen endgültig einstellen. Piero wartete noch die Geburt ihres Sohnes Paolo am 28. Dezember 1925 ab und ging kurz darauf, wie so viele andere Antifaschisten vor und nach ihm, ins Pariser Exil. Dort starb er wenig später nach kurzer Krankheit am 16. Februar 1926 an den Spätfolgen des Attentats.


Mit knapp 24 Jahren war Ada Gobetti Witwe und hatte einen erst wenige Wochen alten Sohn. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie durch Übersetzungen klassischer und zeitgenössischer englischsprachiger Autoren und begann, an einer Turiner Schule zu unterrichten. Sie veröffentlichte pädagogische Texte und schrieb das Kinderbuch La storia del gallo Sebastiano. Adas Haus in der Turiner Via Fabro blieb klandestiner Treffpunkt der antifaschistischen Intellektuellen um Carlo Rosselli, Norberto Bobbio und Vittorio Foa. Und als sich 1942 der Partito d’Azione konstituierte, gehörte Ada zu den Gründungsmitgliedern.

Diario partigiano

Ada hat ihre Aufzeichnungen am 10. September 1943 begonnen, zu dem Zeitpunkt, als die Deutschen Turin besetzten. Ihr knapp 18-jähriger Sohn Paolo unternahm von Meana di Susa aus, wo Ada ein Wochendhaus besass, noch am selben Tag mit gleichaltrigen Freunden seine ersten Streifzüge in die Berge: Sie durchsuchten die vom italienischen Militär aufgegebenen Kasernen und Bunker nach Waffen und Munition. Am Abend legte er Ada mit triumphalem Lächeln – „mit derselben Geste wie vor einigen Jahren, als er mir Pilze mitbrachte“ – die erste erbeutete Handgranate auf den Küchentisch. Und schloss sich unmittelbar danach den sich im Susatal bildenden Partisaneneinheiten an.

Ada hatte als Pendlerin zwischen Turin und Meana di Susa viel Bewegungsfreiheit, konnte permanent Unterlagen und Informationen zwischen dem Hauptquartier des CLN in Turin und den Tälern hin und her befördern. Daneben galt es, geflüchtete alliierte Kriegsgefangene in Sicherheit zu bringen, Ausweise zu fälschen und Flugblätter zur Aufklärung der Bevölkerung zu verfassen, sobald eine neue Einberufungsaktion zu Mussolinis RSI-Armee anstand. Sie koordinierte die Partisaneneinheiten der Aktionspartei – die Brigate Giustizia e Libertà (GL) – im Susatal und übernahm dort die auch bei Einheiten der GL obligatorische Stellung des politischen Kommissars einer Einheit. Zusammen mit Silvia Pons, Bianca Guidetti Serra und anderen baute sie die Frauenbewegung des Partito d’Azione, das Movimento Femminile Giustizia e Libertà auf. Frauenarbeit blieb bis zu ihrem Tod im Jahr 1968 eines ihrer zentralen Anliegen.

Ada Gobetti hat in den 20 Monaten ihrer Partisanentätigkeit keinen einzigen Schuss abgefeuert. Liefert aber dennoch mit ihrem Diario partigiano ein sehr plastisches Bild des Partisanenkampfes: Von Hunger und Kälte, von den Versuchen, neue Einheiten aufzustellen, Sprengstoff zu organisieren und von geglückten und misslungenen Anschlägen. Das Buch ist durchzogen von „sanfter Pädagogik“ (Italo Calvino) und ihrem unermüdlichen Pochen darauf, dass die Zukunft keine Fortsetzung der faschistischen Vergangenheit werden darf.

Schade, dass ihr Buch nie ins Deutsche übersetzt wurde.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

Seit 1961 ist im früheren Wohnhaus von Ada und Piero Gobetti in Turin das Centro Studi Piero Gobetti untergebracht. Es umfasst neben der Biblioteca Noberto Bobbio auch ein umfassendes Archiv und viele online verfügbare Quellen. An ihrem ehemaligen Haus in Meana di Susa in der Nähe von Turin erinnert eine Tafel an Ada Gobetti.

 

Die Geige aus Cervarolo

Gerechtigkeit hat kein Verfallsdatum – Der italienische Dokumentarfilm «Il violino di Cervarolo» («Die Geige aus Cervarolo») will die Erinnerung an von Deutschen während der Besatzung Italiens begangene Verbrechen wachhalten.

Die Geige aus Cervarolo - Il Violino di CervaroloAls 1962 der italienische Spielfilm «Die vier Tage von Neapel» von Nanni Loy in deutschen Kinos anlief, löste er Empörung aus. Weil er deutsche Wehrmachtsangehörige als Täter zeigte, die in Italien willkürliche Erschießungen, brutal durchgeführte Deportationen und entsetzliche Grausamkeiten begingen, nachdem der ehemalige Bündnispartner Italien im September 1943 aus dem Krieg geschieden war. Dem Mythos vom «sauberen Krieg an der Südfront» konnte der Film aber nichts anhaben. Bis heute hat sich die Geschichtsfälschung behauptet, die deutsche Wehrmacht habe – wenn überhaupt – lediglich in der Sowjetunion eine verbrecherische Kriegsführung praktiziert.

Um nicht zu vergessen

Das macht 67 Jahre nach Ende des Krieges den Film «Il violino di Cervarolo» («Die Geige aus Cervarolo») von Nico Guidetti und Matthias Durchfeld so aktuell. Er erzählt von den Bewohnern des kleinen Dorfes Cervarolo in der Emilia Romagna im nördlichen Apennin, die am 20. März 1944 Opfer eines von deutschen Truppen verübten Massakers wurden. Als «Sühnemaßnahme» für die Präsenz von Partisanengruppen in der Umgebung hatten Einheiten der Fallschirm-Panzerdivision «Hermann Göring» – unterstützt von italienischen Faschisten – vorher bereits Massaker an den Einwohnern der umliegenden Dörfer begangen. Nun fielen sie in Cervarolo ein, trieben 24 Männer aus ihren Häusern und erschossen sie. Danach wurden Frauen vergewaltigt und Häuser in Brand gesteckt. Der Film erzählt vom damaligen und heutigen Leben der Angehörigen der Opfer des Massakers, lässt Zeitzeugen zu Wort kommen und zeigt Ausschnitte aus dem Prozess, der in Verona gegen ehemalige Mitglieder der deutschen Wehrmachtseinheit geführt wurde. Protagonist ist Italo Rovali, Sohn eines Geigers, der durch das Massaker seinen Großvater und seinen Onkel verlor. Rovalis langjährige Nachforschungen haben den Prozess erst möglich gemacht. Mitarbeiter des Geschichtsinstituts Istoreco der Provinz Reggio Emilia begleiteten die Bewohner von Cervarolo durch das Verfahren und filmten alle 41 Prozesstage zu Dokumentationszwecken – «Il violino di Cervarolo» ist ein Ergebnis dieser Arbeit.

Il Violino di Cervarolo (Die Geige aus Cervarolo)
Nico Guidetti / Matthias Durchfeld, I 2012; 75 min., Italienisch mit deutschen Untertiteln. Der Film lief 2012/2013 in einigen deutschen und schweizerischen Programmkinos. Die DVD kann für 12 Euro + 2 Euro Versankosten bei www.resistenza.de bestellt werden.

Im Juli 2011 wurden sechs Männer dieser Einheit in Abwesenheit zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Drei sind im Oktober 2012 in zweiter Instanz freigesprochen worden, die anderen Urteile wurden bestätigt. Eine Inhaftierung droht den Tätern jedoch nicht, da Deutschland die Verurteilten nicht ausliefert.

Blanko-Befehle zum Töten

Die Liste der während der deutschen Besatzung Italiens von Wehrmacht und SS begangenen Massaker an der Zivilbevölkerung ist lang. Etwa 10 000 ZivilistInnen wurden zwischen September 1943 und April 1945 im Rahmen der sogenannten «Bandenbekämpfung» umgebracht.

Nur wenige der NS-Verbrechen wurden nach Kriegsende verfolgt. Aus dem anfänglichen Vorsatz der Alliierten, bis zu 60 000 TäterInnen vor Gericht zu stellen, gingen in den Westzonen nur wenige Anklageerhebungen hervor. Und: Je später der Prozess angesetzt war, desto milder fiel die Bestrafung aus. Bereits vor dem Hintergrund des einsetzenden Kalten Krieges und eher widerstrebend abgehalten fand 1947 in Venedig vor einem britischen Militärgericht der Prozess gegen Generalfeldmarschall Albert Kesselring statt. Er war ab November 1943 Oberbefehlshaber in Italien und verantwortlich für Blanko-Befehle zum Töten auch von unschuldigen Frauen und Kindern. Er wurde zunächst zum Tode verurteilt, gleich darauf zu lebenslänglicher Haft begnadigt und 1952 entlassen: Seine Entlassung war ein erfolgreiches Ergebnis einer breiten Pressekampagne, die in der Forderung «Nicht Gnade, sondern Recht» gipfelte. Als Gegenleistung für ihre Mitarbeit am Aufbau deutscher Streitkräfte sollte die Wehrmacht rehabilitiert werden.

Nachdem die westlichen Alliierten ihr Programm zur Verfolgung von NS-Gewaltverbrechen eingestellt hatten, wurden viele Ermittlungsunterlagen den italienischen Behörden ausgehändigt. Zunächst mit Blick auf die eigenen Kriegsgefangenen auf dem Balkan, später aus Rücksichtnahme auf den Nato-Partner Deutschland, wurde in Italien auf die Eröffnung von entsprechenden Verfahren jedoch verzichtet. Die über 700 Aktenbündel kamen in der Militärstaatsanwaltschaft von Rom unter Verschluss und wurden dort «provisorisch archiviert». Als sie 1994 zufällig in einem Aktenschrank, dem «Schrank der Schande», entdeckt wurden, begann die späte Aufarbeitung, die zu einer Reihe von Prozessen führte.

Kein Schleier des Vergessens

In Deutschland sorgte im Jahr 1968 ein unscheinbares Gesetz (Einführungsgesetz zum Ordnungswidrigkeitengesetz) für eine kalte Amnestie: Es setzte die Verjährungsfrist für Mordgehilfen, damals jene Personen, denen «besondere persönliche Motive» an der Tat nicht nachgewiesen werden konnten, auf fünfzehn Jahre herunter. Was zur Folge hatte, dass viele NS-Verbrechen bereits seit dem Jahr 1960 verjährt waren.

Während das Landgericht München im Jahr 2010 Josef Scheungraber wegen seiner Beteiligung am Massaker von Falzano di Cortona (Toskana) zu lebenslanger Haft wegen zehnfachen Mordes verurteilte, stellte die Staatsanwaltschaft Stuttgart die Ermittlungen zum ganz ähnlich gelagerten Massaker in Sant’Anna di Stazzema im Oktober 2012 ein. Der kleine toskanische Ort war am 12. August 1944 Schauplatz eines der grössten und grausamsten Massaker, das deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg verübten und dem mindestens 560 wehrlose Frauen, Kinder und alte Menschen zum Opfer fielen. Die zehn Jahre andauernden Ermittlungen hatten bereits vorher den Verdacht aufkommen lassen, man setze in Stuttgart auf eine rein «biologische Lösung»: Schliesslich waren seit Beginn der Ermittlungen bereits mehrere der Beschuldigten verstorben. Der Einstellungsverfügung ist nun zu entnehmen, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass es sich um eine aus dem Ruder gelaufene Aktion im Rahmen der gezielten Bandenbekämpfung gehandelt habe.

In einem Interview hat der Militärstaatsanwalt in Turin, Dr. Pier Paolo Rivello, erklärt: «Es geht [bei diesen Prozessen] auch darum, Klarheit darüber herzustellen, was passiert ist. Über diese Ereignisse sollte nicht der Schleier des Vergessens gelegt werden. Eine Funktion solcher Prozesse ist es auch, mittels der gesammelten Dokumente und Zeitzeugenberichte Geschichtsfälschungen zu verhindern.» Deshalb sind Filme wie «Il violino di Cervarolo» so wichtig.

Sabine Bade

Le Clézio, ein fliehender Stern und die Seealpen

Als dem Franzosen Jean-Marie Gustave Le Clézio im Oktober 2008 der Literaturnobelpreis verliehen wurde, sagte er: „Der Schriftsteller besitzt schon seit einiger Zeit nicht mehr die Überheblichkeit zu glauben, dass er die Welt verändert und mit seinen Kurzgeschichten, seinen Romanen ein besseres Lebensmodell schafft. Heute will er nur noch Zeuge sein.“
Nur noch? Ereignisse zu „bezeugen“, die sonst in Vergessenheit gerieten, ist ja nicht der schlechteste Anspruch. Aber wir wollen uns hier nicht aufs glatte Eis der Literaturkritik begeben (Marcel Reich-Ranicki kannte Le Clézios Bücher vor der Entscheidung des Nobelpreiskomitees nicht, Sigrid Löffler fand eben diese „bizarr“), sondern lediglich davon berichten, dass Le Clézio in seinem Buch ‚Fliehender Stern‘ (*) auf den ersten 145 (von 377) Seiten jene Geschichte erzählt, von der wir in unserem Beitrag Das Memoriale della Deportazione in Borgo San Dalmazzo auch schon berichtet haben.


Von März bis September 1943 hatte eine Gruppe von Juden unterschiedlichster Nationalitäten in Saint-Martin de Vésubie Zuflucht gefunden und suchte, da die Deutschen von Süden vorrückten, einen Weg nach Italien. Ihre Hoffnung – mittlerweile war Mussolini abgesetzt und am 8. September der italienische Waffenstillstand erklärt – mit dem beschwerlichen Weg über den Col de Fenestre oder alternativ den Col de Ciriegia und weiter über Entracque und Borgo San Dalmazzo in die Freiheit zu gelangen, trog: die Deutschen marschierten am 12. September auch in diese Region ein und besetzten die italienischen Stellungen. Die Flüchtlinge – insgesamt circa 300 Familien – wurden von den Deutschen auf Basis der von Mussolini 1938 erlassenen ‚Rasse-Gesetze‘ festgenommen und in Borgo San Dalmazzo inhaftiert.

Le Clézio erzählt diese Geschichte aus der Sicht des Mädchens Esther, die dem Schicksal entgangen ist, in Borgo San Dalmazzo in Güterwaggons gepfercht und in das Konzentrationslager Auschwitz transportiert zu werden, wo 311 Menschen dieser Fluchtgruppe ermordet wurden – worauf heute das ‚Memoriale della Deportazione‘ hinweist.

Wer das Buch mitnimmt auf eine Wanderung auf dem ‚Percorso Ebraici‘ von Madone de Fenestre ins Gessotal, wird einige wenige geografische Ungenauigkeiten darin entdecken (die französisch-italienische Grenze verlief beispielsweise 1943 noch nicht genau auf der Passlinie) und auch feststellen, dass Le Clézio – es handelt sich schließlich um einen Roman und keinen Tatsachenbericht – die zweimonatige Phase, in der die Fluchtgruppe in San Dalmazzo im Campo di Concentramento eingesperrt war, ausgelassen hat. Was der Eindringlichkeit des Romans allerdings nicht den geringsten Abbruch tut.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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J.M.G. Le Clézio: Fliehender Stern, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, ISBN: 978-3-462-04118-7. Im Original: ‚Étoile errante‘, erschienen 1992 bei Gallimard